Salem 2004

 

Schluss, aus, vorbei!

Das war sie, unsere Ferienfreizeit. Aus den Kinderschuhen sind wir mit 16 Fahrten ja mittlerweile hinaus. Aber es war dieses Mal alles ein wenig anders, bzw. besser gesagt geheimnisvoller als die Jahre zuvor.

Die Haussuche gestaltete sich etwas schwierig. Die von uns bevorzugten Häuser waren leider schon belegt vor allem die in Strandnähe zur Nordsee. So mussten wir Afternativen suchen.

Da stach uns ein Haus in der Nähe von Ratzeburg ins Auge. Salem heißt dieser Ort in dem es steht. Salem? Liegt das nicht in den USA? Und wurden dort nicht Menschen wegen Hexerei angeklagt und getötet? Was mag da wohl auf uns zukommen?

Die Betreuerrunde ließ sich ebenso wie die Kinder und Eltern aber nicht abschrecken. Kaum waren die Anmeldungen verteilt, waren auch schon fast alle Plätze innerhalb einer Woche belegt.

Von der Euphorie gepackt, legte die Betreuerrunde los und plante, organisierte und besichtigte vor Ort die Gegebenheiten. Nachdem dann im Vorfeld (hoffentlich) alles getan war, trafen sich alle Mitfahrer an einem Samstag Morgen.

Leider war der Busfahrer nicht ganz pünktlich. Das Beladen war auch nicht so ganz einfach, da wir mit mehr Platz im Bus gerechnet hatten und daher den Anhänger nicht ganz so platzsparend befüllt hatten. Aber was soll's!

Nach einer längeren Busfahrt mit schweißtreibenden Staus fuhren wir so um halb sechs in Salem ein. Und das Wetter spielte auch noch mit, denn die Sonne strahlte um die Wette. Jetzt hieß es wieder Taschen und sonstige Materialien auspacken, Zimmer beziehen und das Haus einrichten.

Das Küchenteam hatte bereits die Vorbereitung für das Abendessen begonnen. Frisch gestärkt konnten wir dann nach dem Essen die nähere Umgebung von Salem erkundschaften.

Am nächsten Morgen fing sofort das Etappenspiel an. "Geister und Gespenster' hieß dieses Jahr das Thema. Und das Gruseln im Schloss Salem sollte sofort beginnen. Der Hexer von Salem war verschwunden. Aber sein Geist sollte noch im Schloss umhergehen. Dieser Hexer war im Besitz eines mächtigen Gegenstandes, dem "Schlussstein". Alle Geister und Gespenster kamen nun zusammen, um den Stein zu suchen und in ihren Besitz zu nehmen. Doch der Ältestenrat hatte sie abgefangen. Denn hinter den Türen des Schlosses lauerten ungeahnte Gefahren, von Spinnen, Ratten und sonstigem Geber mal ganz abgesehen.

Schaurige Mutproben mussten also bewältigt werden, um die Gunst des Hexers zu erlangen. Denn nur wer den Hexer auf seine Seite ziehen konnte, wurde am Ende mit dem Schlussstein belohnt.

Die einzelnen Geisterfamilien fanden sich also zusammen um dieses Ziel zu erreichen. Sie mussten dafür ihre Fähigkeiten als Geister in Theorie und Praxis beweisen.

Es ging damit los, dass die einzelnen Familien prüfen mussten, ob sie auch stark genug sind, um mit auf die Suche nach dem Schlussstein zu gehen. Die Talente und Erfahrungen wurden zusammengetragen.

Auch sollten die Familien klären, wozu sie den Stein überhaupt brauchen und welche Kräfte sie diesem zuschreiben. Das war auch bald erledigt.

Nachdem die ersten Nächte im Schloss überstanden waren, stellte der Ältestenrat den Gespenstern die nächste Aufgabe.

Der Familiensitz sollte gebaut werden. Denn nur wer im eigenen Hause die Sterblichen zum Schaudern bringen kann, ist auch würdig den Schlussstein zu erlangen. Das Material für die Grundmauern wurde noch vom Rat zur Verfügung gestellt. Alles andere lag in der Verantwortung der einzelnen Geistergruppierungen. Wahrhaft gruselige Familienschauderburgen entstanden.

Aber was stellt man mit einem Geisterschloss an, wenn es dort nicht spukt? Da konnte Abhilfe geschaffen werden. Kellergeister, Waldgeister,  Nachtgespenster, Höhlengeister, Schlossgespenster und Poltergeister dachten sich die vielfältigsten Erschreckerszenen aus, die man sich vorstellen kann. Wem da nicht das Gruseln kam, den erschreckt wohl gar nix.

Nach diesen ganzen Anstrengungen hatten sich die Familien ein wenig Erholung verdient. So wurde eine "Monsterparty" veranstaltet.

Aber auch dafür war viel zu tun. Der Schlosssaal wurde schaurig-festlich hergerichtet und der Weg dorthin führte durch einen engen und niedrigen

Gang voller Ungewissheit. Die Küchengeister hatten ein "Horrormahl" vom Allerfeinsten vorbereitet. Es gab viele Leckereien: Spinnensuppe, Alte Knochen, Kotzbrocken, gespaltenes Hirn, Augenspieße, Grabwürmer, Grüne Hexenmilch, Stinkkäfer und vieles mehr.

Unter all diesen Vorraussetzungen mussten sich die Gäste natürlich herausputzen. Aber auch der Ältestenrat kam in den feinsten Kleidern.

Nach dem Essen wurde dann richtig gefeiert. Einzelne Gruppen hatten vorher Darbietungen ausgearbeitet. Der Ältestenrat begann mit einem mehr oder weniger musikalischen Rückblick auf die vergangene Woche. Was einem da nachts so um 2-3 Uhr noch alles einfällt, ist doch faszinierend.

Weiter ging es mit "Nützliches für Monster-, Geister- und Vampir“. Auch wurde Mode für den "Geist von heute“ präsentiert oder es gab eine "Führung durch die Vampirgruft“. Leider hatten wir es nicht mehr geschafft die Geisterbahn durchzuführen, obwohl sich die Gruppe sehr viel Mühe mit dieser gegeben hatte.

Schade drum! Einen großen Auftritt gab es von Herrn Pastor Gaberle. Das Lied vom "Geistermän" und seiner "Geistersfrau" war der große Hit.

Falls wir noch einen Abnehmer in der Musikindustrie finden sollten, können wir den Gewinn der Jugendkasse zuführen, da der Herr Pastor uns die Rechte für dieses Lied geschenkt hat. Herzlichen Dank!!!

Unser Etappenspiel ging dann mit einer Nachtetappe weiter.

Die Geister waren richtig überrascht, dass sie mal wirklich in der Nacht zum Einsatz kamen, denn bisher war ja alles nur Trockenübung.

Nach einem Aufruf im Lagerradio hieß das Motto dann "Gefangen im Wald der Sinne". Andere Geistergruppen bedrohen nämlich das Schloss Salem. Um sich vor den Angreifern schützen zu können, wurden im Wald Trainingseinheiten vorbereitet, um die Sinne der Familien zu schärfen.

Hier und dort konnte der Ältestenrat dann feststellen, dass die jungen Geister doch noch nicht so hart gesotten sind. Sie gruselten sich nämlich von Zeit zu Zeit selber und stießen laute Schreie aus. Letztendlich haben es aber alle gestärkt überstanden und sind jetzt gefeit vor den feindlichen Gespensterkonkurrenten.

Dafür war die nächste Etappe dann wesentlich ruhiger.

Jeder hatte die Möglichkeit seiner Phantasie freien Lauf zu lassen und die Gruselgeschichte aller Gruselgeschichten zu schreiben. Diese ganzen Prüfungen dienten dazu, die Familien zu echten Geistern und Gespenstern zu machen. Und die Ergebnisse konnten sich wirklich sehen lassen.

Daher kam es, dass sich alle an der letzten Prüfung beteiligen durften, in der es darum ging endlich den sagenumwobenen Schlussstein zu finden.

Der Hexer von Salem hatte im Düsterwald einige Tresore, in denen sich Passwörter befanden, versteckt. Die Passwörter wurden für einige Kellergewölbe im Schloss Salem benötigt, die sich bisher leider nicht öffnen ließen.

Um die Tresore zu knacken wurde nun ein Farbcode benötigt. Auch diesen zu suchen und in die richtige Reihenfolge zu bringen war für die Geisterfamilien eine lösbare Aufgabe.

Zum Schluss wurde von der besten Geisterfamilie dann der Schlussstein gefunden. Da sich aber alle so in den zwei Wochen angestrengt hatten, bekam jeder am Abschlussabend eine bedruckte Trinkflasche überreicht.

Das Etappenspiel ist gerade dazu geeignet, zu beobachten, wie die Gemeinschaft in den Gruppen funktioniert. Da kann man wie auch in den letzten Jahren nur wiederholen, dass sich die Älteren um die Jüngeren kümmern, jeder ins Spiel einbezogen wird und damit die Ergebnisse sehr toll sind.

Darauf sind wir Betreuer mittlerweile stolz und das führt auch dazu, dass wir es nicht allzu schwer mit euch Kindern haben.

Die Fahrt bestand aber nicht nur aus dem Etappenspiel, obwohl es seit ein paar Jahren ein wesentlicher Teil unserer Ferienfreizeiten ist und sich das Etappenspielthema wie ein roter Faden durch die zwei Wochen zieht.

Da war aber noch viel mehr!

In den Anfangstagen war das Regenwetter nicht dazu geeignet sich viel im Freien aufzuhalten. Wir taten es aber trotzdem, um z. B. beim Stationsspiel die Umgebung zu erkundschaften. Am Montag, gab es abends die Möglichkeit ein wenig Fußball und Hühnerball. Dabei verübte Alexis einen Anschlag auf den Kameramann, indem Alexis mir den Fußball knapp an meinem Kopf und der Videokamera vorbeischoss. Aber ich konnte trotzdem die Szene aufnehmen und der Film dient somit als Beweis.

Ein Stadtspiel gab es dieses Jahr natürlich auch. Obwohl ich mich am Anfang geweigert hatte, dieses wie jedes Jahr vorzubereiten, ließ ich mich doch wieder erweichen. Die Stadt Mölln sollte auf den Spuren Till Eugenspiegels erkundschaftet werden. Auch bei dem Weg wurde den Gruppen schon Streich gespielt, da er nicht ganz so verständlich auf der Karte eingezeichnet und durch Erklärungen erkennbar war. Trotzdem gab es ein paar sehr lustige Fotos, vor allem bei der Station mit de Mehl. Zeit zum Einkaufen blieb leider nicht, da wir ja noch mit dem Rad wieder zurück mussten. Leider hatte Christine sich auf der Rückfahrt mit dem Rad in einer Kurve lang gelegt. Aber es blieb Gott sei Dank bei ein paar blauen Flecken und einem kaputten Vorderrad. Und ich hatte schon gedacht, dass ich dieses Jahr keine Fahrräder reparieren bräuchte.

Nach dem Stadtspiel stand schon der nächste Ausflug an.

Wir fuhren mit dem Rad nach Ratzeburg, um eine "Drei-Muskel-Tour' mitzumachen. Auf dem Weg dorthin versorgte uns das flexible Küchenteam mit einem Mittagssnack direkt am Ratzeburger See. Am Bahnhof von Ratzeburg ging es dann aber mit der Tour los. Wir wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe begann mit der Draisine. Eine 3-4 Kilometer lange Strecke musste zurückgelegt werden. Bei herrlichem Sonnenschein eine schweißtreibende Angelegenheit aber auch sehr witzig. Die zweite Gruppe musste erst noch bis zum See wieder laufen, um mit einem Drachenboot den See zu überqueren. Manche konnten aber auch mit lustigen Tretrollern den Weg bis zum See zurücklegen. Bei der Seeüberquerung hieß es dann "und eins, und zwei, und drei, und vier …. Die Frau am Steuer hatte aber auch eine sehr quälende Stimme!

Nach der Draisine stieg die erste Gruppe am Erlebnisbahnhof in Schmielau um auf "Konferenzfahrräder“. 6 Leute sitzen im Kreis und strampeln, einer lenkt das ganze Gefährt. Wenn man nicht dauernd mit den Füßen aneinander gerät, kommt man damit auch schnell voran. Die erste Gruppe hatte hier auch einen Vorteil, denn sie konnte mit den Rädern bergab fahren.

An der Bootsanlegestelle trafen die beiden Gruppen wieder zusammen und konnten sich über ihre Erfahrungen mit den Fortbewegungsmitteln austauschen.

Eine ältere Dame sprach einige Betreuer an und wunderte sich, dass wir unsere Kinder so gut im Griff hätten. Sascha entgegnete: "Sagen sie das nicht so laut, sonst kommen die noch auf dumme Gedanken".

Das war für uns wieder ein Beweis dafür, dass wir wohl nicht ganz so schlechte Jugendarbeit machen. Die Tour war insgesamt eine sehr witzige und eine mal nicht so gewöhnliche Angelegenheit. Wäre da nur nicht diese ältere Teilnehmerin namens Virginia gewesen, die sich gedacht hat „fall ich doch mal von der Draisine runter und tue mir am Bein weh".

Mit dem Rettungswagen ging es dann ins Krankenhaus. Es stellte sich heraus, dass nichts gebrochen oder gerissen war. Wir konnten sie also sofort wieder mitnehmen. Aber es sollte nicht unser letzter Besuch im Krankenhaus sein.

Ein weiterer Teilnehmer hatte dann eine Blutvergiftung und zwei weitere Mädels schnitten sich am letzten Tag an Glasscherben von einer zerplatzten Glasflasche.

Aber traktiert wurden wir alle die ganze Zeit. Die vielen Bienen, Mücken und Wespen stachen uns täglich. Fenistiltuben und Kühlakkus waren in den 14 Tagen im Dauereinsatz. Das gute Wetter trug natürlich dazu bei, dass es so viele Insekten gab.

Die Nachmittage am und im See haben uns aber dafür entschädigt. Mit Schlauchbooten und sonstigem Spielmaterial hat es besonders viel Spaß gemacht.

Unser Programm für schlechtes Wetter konnten wir jetzt jedenfalls getrost in den Ordnern lassen. Wir konnten noch etliche Spiele am Haus und im Wald durchführen, wenn wir nicht gerade am See waren.

Auch in diesem Jahr hatten die älteren Teilnehmer zugesagt, dass sie das Programm für einen Tag übernehmen. So hatten einige Betreuer Zeit sich ein wenig zu erholen und für die letzten Tage Kraft zu schöpfen. Die Aktionen waren von den Älteren sehr gut vorbereitet. Dank an euch für die Entlastung an diesem Tag!

Einen 2. Tagesausflug haben wir auch noch durchgeführt. Wir fuhren in den Hansa-Park. Obwohl es sehr voll war, war es dennoch ein schöner Tag.

Besonders schön war es für die Kathi, die den Tag auf einer Wiese schön verschlafen hat. 5 Jungen konnten sich im Vorfeld nicht so benehmen, wie man es eigentlich erwarten durfte. So hatten sie halt das Pech die Zeit im Park teilweise bzw. ganz auf einer Wiese abzusitzen. Kathi hat jedenfalls gut geschlafen und ich konnte die restlichen Postkarten zu Ende schreiben.

Am Ende dieses Berichtes möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei allen bedanken, die an der Vorbereitung und der Durchführung der Ferienfreizeit beteiligt waren.

Ein großer Dank geht an unser Küchenteam Birgit und Michael Reuß + Doris und Uli Sperling. Danke für die erstklassige Versorgung. Das Essen war wie letztes Jahr ausgezeichnet und wer nicht satt geworden ist, ist selber schuld,

Wie schon oben erwähnt hat ihr euch beim Zwischenabend selbst übertroffen. Das sah alles sehr herrlich gruselig aus.

Zeit für die Entspannung gab es aber bei dem guten Wetter für euch ja auch. Die Liegestühle durften jedenfalls auch in diesem Jahr nicht fehlen.

(Wobei ich sagen muss, dass auch die Betreuer diese gut genutzt haben!)

Und Frau Sperling konnte ja manchmal kaum die Kamera aus der Hand legen, um das Treiben um sie herum festzuhalten. Aber auch dafür nehmen wir sie ja mit!

Ein Dankeschön auch unserem Herrn Pastor Gaberle, der uns für ein paar Tage besucht und mit uns die heilige Messe gefeiert hat. Wir haben uns alle sehr darüber gefreut, dass sie Zeit für uns gefunden haben. Ihr Lied versuchen wir jedenfalls noch zu vermarkten. Danke auch für die leckeren Süßigkeiten!!!

Ach ja da waren ja noch ein paar Leute mehr, die uns unterstützt haben.

Allen voran die Fahrer der Materialwagen Markus, Stacho, Ali und Patrick. Vielen Dank für eure Hilfe bei Hin- und Rückfahrt sowie vor Ort.

Danke an Silke und Daniela, die, obwohl sie nicht mitfahren konnten, sich bei der Vorbereitung voll Tatendrang eingebracht haben.

Ein weiteres Dankeschön an die Verbände unserer Gemeinde, die uns finanziell unterstützt haben.

Ein ganz besonderer Dank geht aber zu guter letzt an alle Betreuer, die die Zeit gefunden haben, das Programm mit vorzubereiten und mitzufahren, Ohne Euch wäre so eine Fahrt nicht möglich. Leider sind wir nicht mit der Anzahl Betreuer wieder zurückgekommen, wie wir hochgefahren sind, aber wir haben die letzten Tage auch so sehr gut gemeistert

Die Fahrt ist mal wieder sehr schnell vergangen. Es gab dieses Jahr wieder ein paar mehr Unwägbarkeiten und Unfälle als die Jahre zuvor. Spaß gemacht hat mir die Fahrt aber auf jeden Fall" so dass ich eine weitere Fahrt im nächsten Jahr nicht ausschließen möchte.

Diese wird dann ausnahmsweise nur in einer Woche der Herbstferien stattfinden, da wir im Sommer sehr in den Weltjugendtag eingebunden sein werden.

Ein Ziel haben wir auch schon: Welleringhausen in der Nähe von Willingen. Die Planungen dafür laufen schon!

Wir würden uns freuen euch auch im nächsten Jahr wieder zu sehen!

 

 

Martin Heising Oktober 2004

 

 

 

 

 

 

aktualisiert am 01. Juli 2017

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