2000 Egmond

 

 

Bericht über die 12. Ferienfreizeit nach Egmond-Binnen

vom 30.06. bis 14.07.2000

 

"Das kann jedem passieren, aber..."

 

"Das kann ja jedem passieren, aber den Dümmsten zuerst." Dieser Spruch passt zu unserer diesjährigen Ferienfreizeit wie die Faust auf's Auge.

Aber das kann sich ja eigentlich nicht auf das Wetter beziehen. Schließlich war dieser Sommer bislang kein Sommer und das Wetter fast überall gleich schlecht. Wir hatten von Anfang an nur 2 Strandtage in unser Programm eingeplant, aber so ganz im geheimen hatten wir alle auf etwas mehr Sonne gesetzt.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass wir zu viele Regentänze aufgeführt haben und diese einfach zu gut waren?!? Bei einer der Etappen haben die Indianerstämme Tänze aufgeführt, die den großen Manitou so überzeugt haben müssen, dass es auch nach unserer Abfahrt in Holland noch geregnet hat.

Hätten wir doch mal lieber einen Sonnentanz einstudiert.

Unser diesjähriges Etappenspiel und das Thema der Freizeit behandelte das Leben im Wilden Westen. Dabei stießen Indianer und Weiße aufeinander, die um das vorhandene Land gekämpft haben. Sie haben ihre Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten ganz ohne Waffen bzw. Gewalt ausgefochten.

Aber der Regen hat den Indianerstämmen: den Irokesen, den Utahs, den Comanchen, den Hopis, den Black Foots, den Navajos und den Apachen nicht viel anhaben können. Sie waren verdammt zäh. Selbst gegen Geld, Gold, Waffen und Fortschritt wollten sie sich nicht von ihrem Land trennen. Sie sind ihrer Tradition treu geblieben. Dabei hatten wir Weiße, alles ausgekochte Ganoven und Gauner, die vor keiner Untat zurückscheuten, sie zu einem geselligen Abend in unseren Saloon eingeladen, um sie bei guter Stimmung, ausreichendem Feuerwasser und einem ausgewählten Wild-West-Essen gefügig zu machen. Doch sie haben uns nicht ein Fleckchen ihres Landes überlassen. Im Gegenteil! Sie haben sich so hochnäsig und arrogant gegenüber den Händlern verhalten, dass wir von Glück sprechen können, dass es zu keinen Schlägereien gekommen ist.

Der anschließende Unterhaltungsteil unseres Zwischenabends war dennoch große Klasse. Es ist während des Programms sogar ein special Guest aufgetreten, der einen Barkeeper dargestellt hat. Man konnte unserem Pfarrer anmerken, dass es ihm ebenfalls viel Freude bereitet hat. An dieser Stelle noch einmal unseren herzlichen Dank dafür, dass er eine Woche mit uns verbracht hat.

Aber auch die folgenden Programmpunkte, die sich die Teilnehmer, mit Hilfe der Betreuer, ausgedacht haben, waren prima. Uns wurde ein Hörspiel vorgespielt; ein Ausschnitt aus dem Film "Der Schatz im Silbersee" wurde neu vertont; eine Geschichte vorgelesen; ein Tanz wurde aufgeführt und ein selbstgemachter Videofilm gezeigt. Hierbei konnte besonders unser Matthes seine Fähigkeiten in Richtung Kameraführung und Regieanweisungen unter Beweis stellen.

Einfach unschlagbar. Hätte man den Film auf den wesentlichen Inhalt zusammengekürzt, so wären von den 8 Minuten am Ende wohl 90 Sekunden verblieben. Gut, dass er keinen Spielfilm gedreht hat. Und unsere älteren Mädels haben ein Lied gedichtet, in dem sie die Ereignisse der ersten Woche zusammengefasst haben. Ich bin immer wieder fasziniert davon, was alles in so kurzer Zeit vorbereitet und dargestellt wird. Nur schon alleine für diesen Abend haben sich die Vorbereitungen, im Vorfeld der Freizeit, gelohnt. Das anschließende Aufräumen war dagegen ein Kinderspiel.

Weitere Aufgaben, die im Laufe der Freizeit gelöst werden mussten, um die Goldene Feder des Manitou zu bekommen, waren: der Bau von Tipis, die Darstellung eines Postkutschenraubes, ein Wettbewerb im Bogenschießen, der zuvor erwähnte Regentanz und eine Goldsuche, bei der mehrere Schwierigkeitsstufen zu bewältigen waren. Regelmäßig tauchten dann Rothäute in vollem Federschmuck (die armen Vögel) und in voller Kriegsbemalung auf. Die Darstellungen und Aufführungen waren unter den gegebenen Bedingungen einfach nur gut. Um wie viel besser wären sie wohl noch geworden, wenn diese Veranstaltungen alle im Freien hätten stattfinden können.

Aber wir wollen uns nicht wirklich beklagen, denn wir hatten großes Glück mit unserem Haus. Der Weg bis zum Strand war zwar etwas weiter, aber da waren wir ja nun nicht sehr oft. Dafür war das Haus so groß und geräumig, dass wir uns ordentlich ausbreiten konnten. Und Janina, die Vermieterin, die die meisten gar nicht zu Gesicht bekommen haben, hat uns machen lassen, was wir wollten und am Ende der Freizeit ein Diplom mit der Note "Sehr gut" ausgestellt. Das hat uns Betreuer sehr gefreut.

Es war in diesem Jahr bestimmt keine einfache Freizeit. Viele Teilnehmer haben zum ersten Mal an einer Freizeit teilgenommen. Sie mussten sich mit der Situation auseinandersetzen und lernen, dass eine so große Gruppe nur dann zusammenleben kann, wenn alle Rücksicht aufeinander nehmen. Das war für einige nicht so ganz einfach. Ich hatte aber zum Ende der Freizeit den Eindruck, dass sie es im Laufe der 14 Tage verstanden haben. Die Stimmung untereinander war gut und zu großen Streitigkeiten ist es nicht gekommen. Auch das Betreuerteam ist sehr gut miteinander ausgekommen und auch unter ihnen waren einige, die während dieser 14 Tage einiges dazu gelernt haben.

Sogar unser Küchenpersonal hatte optimale Voraussetzungen. Die Küche war so groß, dass sie bei Regen ihre Liegestühle in der Küche aufstellen konnten und die Aussicht auf den Gasherd genießen konnten. Gemütlicher ging es auch hier kaum noch. Auch die Jagdbedingungen scheinen hervorragend gewesen zu sein. Das Essen war wieder sehr gut. So wurde uns beispielsweise zum Zwischenabend Backkartoffeln nach Art der Mescaleros, Bärentatzen, Sioux-Spieße und getrocknete Büffelstücke mit Mescalerosoße gereicht. Dazu gab es Mais und rote Bohnen, Die Vorspeise bestand aus peruanischen Allulahs. Es gab Feuerwasser zu trinken und als Nachtisch HELADO (zu deutsch: Vanilleeis). Als besondere Beigabe wurde zum Unterhaltungsteil noch Popcorn gereicht.

Nach den Mahlzeiten war dann immer die Gelegenheit, die aufgefundenen Kleidungsstücke und Gegenstände an die Eigentümer zurückzugeben.

Von einigen Teilnehmern haben sich Sachen regelmäßig in unserer Fundkiste wiedergefunden. Aber nachdem wir alles verpackt hatten, waren nur noch drei Socken über. Und die habe ich in Holland gelassen. Sogar Friederike hat am letzten Tag ihre Jeans wiederbekommen, die sie 10 Tage lang gesucht hat. Gut, dass Katharina sich lautstark darüber aufgeregt hat, warum ihre Jeans nur so groß geworden ist und sie sie mit einem Seil festbinden muss, damit sie nicht verloren geht.

Am Strand sind wir dann, wie bereits angedeutet, nicht allzu oft gewesen. Aber wenn wir denn dann mal dort gewesen sind, war es ein Erlebnis. An den ersten Abenden konnten wir mit den Füßen ins Wasser. Das war schon ziemlich Klasse und die Vorfreude auf einen Strandtag sehr groß. Noch spannender war es, wenn man bis zu der Sandbank laufen konnte, die nur wenige Meter weiter im Wasser auftauchte. Auf dem Weg dorthin wurde auch niemand so richtig nass. Allerdings nur auf dem Hinweg. Da die Flut eingesetzt hatte, stieg das Wasser so schnell, dass einige nur noch Huckepack mit trockener Hose an den Strand zurückgebracht werden konnten. Hallo Moritz! Ansonsten haben wir 14 Tage auf Strandwetter gewartet, um auch unser gesamtes Strandmaterial zum Einsatz bringen zu können. Allerdings haben wir es unbenutzt wieder mit zurückgenommen. Wie schon erwähnt: "Das kann ja jedem passieren, aber ... ?!?

Aber schwimmen waren wir trotzdem. Und zwar im Hallenbad in Egmond aan Zee. Es hätte ja sehr schön sein können, wenn nicht alle anderen Gruppen, die sich in der Umgebung von Egmond aufgehalten hätten, für diesen Tag die gleiche Idee gehabt hätten. War das voll; und war das eng. Vor allem in den Umkleidekabinen konnte man nicht mehr vorwärts und nicht mehr rückwärts gehen. Demzufolge war auch das Wasser ordentlich gechlort, so dass wir am Abend dann noch einige Eimer verteilen konnten.

Besonders viel Freude hatte auch unser Vogel am diesjährigen Etappenspiel. Durch die Indianerverkleidung flogen überall Federn herum, ohne dass nun zu beweisen war, dass es sich um seine Federn handelte. Besonders angetan war er allerdings von der lila und der pinken Federboa (Die Dias beweisen es)! In einer Nacht waren dann auch noch irgendwelche Leute unterwegs (mögen es etwa Betreuer gewesen sein?), die mit Cowboyhüten und den beiden Federboas durch die Zimmer der Teilnehmer geschlichen sind (jede Rothaut wäre vor Neid blass geworden), diese im Schlaf verkleidet haben und als ob damit nicht schon genug gewesen wäre, wurde das ganze noch auf Dia festgehalten. Das besondere dabei war noch, dass kaum jemand wach geworden ist und nun weiß eigentlich niemand so genau, wer denn da durch die Zimmer geflogen ist. Hallo Daniela. Ich habe die Dias zwischenzeitlich bereits gesehen und muss sagen, sie sind wirklich gut geworden. Warum einige das Popcorn vom Zwischenabend nicht aufgegessen und dafür in ihren Zimmern und vor allem in ihren Betten verteilt haben, kann ich immer noch nicht verstehen. Sollten denn auch da Betreuer hinter stecken?

Das wir die Fahrräder mitgenommen haben, hat sich in diesem Jahr wirklich gelohnt. Unsere Fahrradtouren waren sehr erlebnisreich. Es ging in Kleingruppen los. Besser gesagt es sollte in Kleingruppen losgehen. Doch zuvor war erst einmal ein Lenker höher zu stellen, ein Sattel musste gerichtet werden oder ganz einfach die Reifen aufgepumpt werden.

Warum sollte man diese Kleinigkeiten zwischenzeitlich erledigen. In den ersten Tagen glichen unsere Fahrten noch mehr einem Chaoshaufen. Aber nach, ich weiß nicht wie vielen: "Wir fahren hintereinander", "Wir fahren nur rechts" und "Wir überholen nicht", hat es in der zweiten Woche dann aber doch geklappt. So was muss einfach nur eingeübt werden.

Einer unserer Tagesausflüge führte uns dann auch mit dem Fahrrad nach Alkmaar. Die jüngsten durften beide Strecken mit dem Bus fahren, da wir sonst niemals in Alkmaar angekommen wären. Und Katrin. Auch sie durfte mit dem Bus fahren. Allerdings nur auf der Rückfahrt, denn Katrin hatte kein Fahrrad mehr, mit dem sie nach Egmond hätte zurückfahren können. Ihr Rad wurde während unseres Aufenthaltes in Alkmaar geklaut. Anscheinend ist ihr der Täter mit dem Fahrrad sogar noch entgegen gekommen. Bis sie das aber verarbeitet hatte, da war der Dieb schön auf und davon. Wie heißt es doch: "Das kann ja jedem passieren ...... Aber an Alkmaar gibt es auch schöne Erinnerungen. Um uns von der anstrengenden Fahrt -zu erholen, wurde uns das Mittagessen in Form eines Picknicks vom Küchenpersonal angeliefert. Ein Service, der durchaus wiederholt werden kann. Nachdem auch die "Busfahrer" angekommen waren, ging es dann auf zur Grachtenfahrt. Mit einem kleinen Boot tuckert man durch die schmalen Grachten von Alkmaar. Während der Fahrt ist man mehr damit beschäftigt auf die sehr niedrigen Brücken zu achten unter denen man herfährt, als auf die Erklärungen des Kapitäns bzw. seiner Reisebegleiterin. Hätte unser Vogel hier aber mal auf diese freundliche Stimme gehört. Bei jeder Brücke sagte sie nämlich:" Bitte achten Sie auf ihre Köpfe." Und was macht er? Er haut mit seinem Kopf unter die Brücke und hatte anschießend eine nette Beule am Kopf. Gut, dass der Schnabel nicht gebrochen war. Auch hier könnte man den Spruch anbringen: "Das kann..."

Bei unserem nächsten Besuch haben wir dann das Spiel: Wie viele Gassen hat Alkmaar veranstaltet. In Kleingruppen mussten die Kids quer durch die Altstadt rennen, sollten sich dabei nicht begegnen und dabei noch Aufgaben erfüllen. Meiner Meinung nach ein sehr schönes Spiel. Ich habe mich am Zielpunkt aufgehalten und einfach darauf gewartet, dass alle Gruppen diesen Punkt auch finden. Und es ist ihnen sogar gelungen.

Für den 2. Montag hatten wir einen Ausflug nach Drievliet vorbereitet. In der Nacht zum Montag, noch während wir in der Betreuerrunde zusammensaßen, fing es wieder mal so stark an zu regnen, dass ich mich am liebsten irgendwo verkrochen hätte. Aber ändern konnten wir es nicht. Der Bus war bestellt; unser Kommen im Park angemeldet. Am nächsten Morgen traute ich kaum dem ersten Blick aus meinem Fenster. Da sich mein Bett direkt unter einem Fenster befunden hat, konnte ich morgens noch im Liegen feststellen, wie das Wetter denn so ist. Den Ausblick, der mich morgens meistens erwartet hat, brauche ich hier wohl nicht mehr zu beschreiben. An diesem besagten Morgen aber war es trocken und der Himmel zeigte an einigen Stellen seine ursprünglich Farbe. Ich sah blau und nicht grau. Und während der Zeit, die wir in dem Park verbracht haben, hat sich zwischenzeitlich sogar die Sonne gezeigt. Es war fast wie im Paradies. Es war angenehm, sich auf einen trockenen Sitz zu setzen und anschließend auch trocken von dem Gerät wieder abzusteigen. Wer nass werden wollte, konnte die Wildwasserbahn nutzen, wovon natürlich ausgiebig Gebrauch gemacht wurde.

Dies war aber, im Vergleich zu manch anderem Programmpunkt dieser Freizeit, immer noch ein großer Unterschied. Wer allerdings mit dem Boot in der Wasserrutsche umfällt und zunächst ohne Boot aus der Rutsche kommt, der hat es nicht besser verdient. Denn wie war das noch: "Das kann ja jedem….!“ Hier müsste der Spruch aber enden: „....einem Viktor zuerst".

Damit sich das Redaktionsteam von "Hellweg Aktuell" nicht wieder über die Länge des Artikels beschweren kann, werde ich an dieser Stelle mit den Erzählungen aufhören. Es gäbe noch einiges zu berichten, obwohl ich von einigen Aktionen sicherlich nichts mitbekommen habe (schade eigentlich). Aber es gibt auch Geschichten, die nicht für die Allgemeinheit bestimmt sind.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei allen bedanken, die uns während der Vorbereitung, in welcher Form auch immer, unterstützt haben. Mein besonderer Dank gilt den Betreuerinnen und den Betreuern, die bereit waren, auch diese Form der Jugendarbeit in unserer Gemeinde, durch ihren Einsatz zu unterstützen. Ich bedanke mich bei unserem Küchenpersonal, die nach der

6. Freizeit nun wirklich fast alles gelernt haben und die wir auch im nächsten Jahr gerne wieder mitnehmen möchten.

Nun gibt es drei Monate „Ferienfreizeitvorbereitungsfreiezeit“ und dann organisieren wir die Freizeit Ellemeet 2001.

Ich hoffe, sie verläuft ähnlich gut wie die diesjährige.

 

 

September 2000 Dirk Filzen

 

 

aktualisiert am 01. Juli 2017

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