1993 Dahn

 

 
Ein kurzer Bericht über die fünfte Ferienfreizeit der
katholischen Jugend St. Antonius
 
Dahn 1993 - Troll-Tours
 
Das Jahr neigte sich ganz stark dem Ende. Unsere fünfte Ferienfreizeit ist schon einige Monate her. Hoffentlich noch nicht ganz vergessen. Wenn doch, hier einige Situationen zur Erinnerung.
Eigentlich wollte ich diesen kurzen Bericht schon vor einiger Zeit geschrieben haben, doch es fehlte die notwendige Ruhe. Die Jugendarbeit nimmt immer mehr Zeit in Anspruch, weil immer weniger Leute wirklich aktiv mithelfen. Dabei kann es noch so viel Spaß machen.
Selbst die Zuschüsse sind schon überwiesen. Das war die problemloseste Abrechnung aller Ferienfreizeiten. Jede der knapp 30.000,-- DM mußte belegt werden. Für jede Mark, die man nicht belegt, gibt es keine Zuschüsse. Die Zuschüsse müssen natürlich auch belegt, d.h. ausgegeben werden - sonst werden sie nicht ausgezahlt. Was es aber tatsächlich an Zuschüssen gibt, wird erst bei der Abrechnung mit dem Caritas-verband bekannt.
Es gab viele traurige Gesichter, als wir auf dem Diaabend gesagt haben, daß 1994 einmal keine Fahrt im Sommer gemacht wird. Das hat mir selber sehr leid getan. Aber neben der Ferienfreizeit, die größtenteils sehr schön war, gab es noch Vorbereitungen, Besprechungen und viele unerfreuliche Ereignisse im Vorfeld, die die Fahrt arg belastet haben.
Ganz kurz zur allgemeinen Information und Richtigstellung, eine Schilderung vom Leiter der Fahrt.
Das Problem, daß uns bei der Vorbereitung am meisten beschäftigte, war, daß zu viele Betreuer mitfahren wollten. Das ist natürlich nicht möglich. Im nächsten Jahr möchten zwar alle ganz gerne mal eigenen Urlaub machen, doch das hat mit der Geschichte nichts zu tun.
Um die Mitfahrt der Betreuer zu regeln, wurden in der Leiterrunde und in der Vorstandssitzung der katholischen Jugend Richtlinien festgelegt. Dadurch fielen einige Leute aus; daß sie enttäuscht waren ist verständlich. Daß die Eltern dieser Betreuer mir vorwerfen, Leute aus der Jugend zu vertreiben und Argumente anbringen, die jeder Logik entbehren, kann ich bis heute nicht nachvollzie­hen. Das ist nicht die Art von Förderung, wie sie für unsere Jugendarbeit angebracht wäre – im Gegenteil.
Aber plötzlich wird man von bestimmten Leuten nicht gegrüßt. Stattdessen wird man zum Mittelpunkt der Freisenbrucher Unterhaltung.
Na gut, ich kann's vertragen. Für die Fahrt hätte es beinahe das Aus bedeutet. Doch von solchen Ereignissen läßt man sich halt eine Ferienfreizeit nicht ganz verderben. Außerdem war die Jugendherberge schon gebucht und ein großer Teil der Teilnehmer schon angemeldet. Es folgte die Phase der Abmeldungen; es wurden noch Plätze frei, die neu belegt werden mußten.
Doch irgendwann geht es dann irgendwie wieder los. Frohgelaunt, unausgeschlafen und gut vorbereitet geht's in die Sonne. Zumindest sollte es dahin gehen.
14 Tage später überkommt mich der große Stoß der Erleichterung, als ich dem Busfahrer sagen konnte: „Es sind alle da, wir können zurückfahren.“
Das war mal wieder Urlaub pur. Unsere fünfte Ferienfreizeit stand ganz unter dem Motte: Das kann bei, eigentlich recht erfahrenen Betreuern, trotzdem noch schiefgehen. Wir haben gelernt, daß sehr viel schiefgehen kann.
Von der Sonne hahen wir nicht viel gesehen, die Ärzte in Dahn und Umgebung sind zu kleinen Millionären geworden und unser Programm fiel buchstäblich ins Wasser.
Der zweite und entscheidende Stoß der Erleichterung überkam mich, als unsere St. Antoniuskirche vor uns auftauchte. Es war geschafft. Die fünfte Ferienfrei­zeit lag hinter uns, was man uns deutlich ansah. Die Strapazen der Fahrt waren jedem unverkennbar vom Gesicht abzulesen. Aber keiner konnte sich beschweren.
Alle Kinder; und natürlich auch alle Betreuer, die wir gesund mitgenommen haben, brachten wir auch wieder gesund zurück.
Was wir da in Dahn so mitgemacht haben, kann man sich nur schlecht vorstellen. Warum wurde fast jeder in dieser Zeit krank?
Angefangen hat es mit dicken, vereiterten Augen, die sich als ansteckende Bindehautent­zündung entpuppten und einen re­gelmäßigen Besuch beim Augenarzt erforderlich machten. Zwei Tage später lag dann unsere bauchtan­zende Betreuerin mit einem Zucker­schock im Bett. Sie hatte sich in diesem allgemeinen Chaos leider etwas mehr Insulin gespritzt als sie gebraucht hätte.
Das konnte sie uns aber erst wieder sagen, nachdem der Notarzt ihr eine Spritze gegeben hatte. Ab zum Krankenhaus: mit dem Notarzt­wagen war der Weg in zehn Minuten zu schaffen.
Den, nächsten Arzt, einen Hals­-Nasen-Ohren-Arzt, habe wir aufge­sucht. Der dritte Engel in Weiß mußte uns aufsuchen, da wir einen Kandidaten mit Brechreiz und 40 Grad Fieber im Bett hatten. Natürlich abends und kurz vor 23.00 Uhr. Ein wirklich netter Arzt, der es sich nicht nehmen ließ, auch am nächsten und übernächsten Morgen noch mal vorbeizukommen. Am zweiten Tag konnte ich dann gleich noch drei andere Leute auf dem Weg mit behandeln lassen. Nach der Nachtwanderung hatten wir die Befürchtung, unseren Tarzan mit gebrochenem Arm nach Hause mitnehmen zu müssen. Doch es war „nur“ eine Verstauchung.
Mitten in der Wochen hörte ich auf einmal: "Es ist jemand vom Felsen gestürzt:" Runter in die Telefonzelle und den, Dahner Not­arzt gerufen. Der kannte den Weg ja schon. Es stellte sich dann zwar heraus, daß es sich um nie­manden aus unserer Gruppe gehan­delt hatte, doch das spielte nicht so eine große Rolle. Die "normalen" Jugendherbergskrank­heiten, wie Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Heimweh haben wir dann selbst behandelt.
So viele Arztbesuche und Krankheiten haben uns dennoch etwas irritiert. Genauso das schlechte Wetter. Sicher hatten wir auch Programm für schlechtes Wetter, doch eigentlich mehr rein obliga­torisch.
Unsere Waldolympiade fiel dem Regen zum Opfer, ebenso der Freibadbesuch und das Mobifantenspiel. All die Karten, Papiere und Spiel­materialien waren nach kürzester Zeit einfach nur noch naß. Wenn uns dann einmal unerwartet nicht das Wetter in die Quere kam, so war es etwas anderes.
Die Schnitzeljagd dagegen hatte mit völlig anderen Problemen zu kämpfen. Wir hatten eine Schnit­zeljagd vorbereitet, die sich sehen lassen konnte. Der Weg war nicht zu lang und nicht zu an­strengend; er führte sogar endlich auch am Jungfernsprung vorbei war mit wasserfesten Plastikstrei­fen gekennzeichnet (die Kreide­pfeile vom letzten mal waren ja leider alle beim Regen davongeschwommen). Nach dem Frühstück ging die Planungsgruppe los, zum Mittag mußten alle wieder in der Jugendherberge und der Weg fertig sein. Nach dem Essen mußte der Vortrupp aber schon wieder los; kurze Plastikstreifen sollten erst jetzt ausgehängt werden, damit der Weg deutlich zu verfolgen war.
Schließlich war der Vortrupp am Ziel angekommen und hatte sich ein relativ trockenes Plätzchen ausgesucht. Da lagen wir nun und warteten auf die erste Gruppe, die eigentlich bald hätte kommen müssen. Doch die Zeit verging, und niemand kam. Schnell wurde uns klar, warum nicht. Wanderer hatten den Müll aus den Ästen herausgenommen und in einen Mülleimer geworfen. So hatte sich das mit der Schnitzeljagd erledigt.
Damit wir auch wieder pünktlich zur Jugendherberge zurückkamen, haben wir eine kleine Abkürzung ge-nommen. Wir mußten einen steilen Berg hinunter und befanden uns schon am Ortseingang von Dahn. Leider war der Weg etwas zu rutschig, weil feucht. So gab es am Schluß nur wenige, die sich nicht mindestens einmal in den Dreck gesetzt haben. Das waren sehr lustige Bilder. Jeder, der unten ankam, reinigte sich von grobem Dreck. Nur die großen Mädchen nicht: Der erste Griff galt ihrem, Kopf mit der Frage: Ist meine Frisur noch in Ordnung?"
Das natürlich unser erster Tagesausflug nicht ganz im Trockenen ablief, brauche ich wahrscheinlich nicht erst besonders zu betonen. Doch es gab ein weiteres Problem bei der ganzen Angelegenheit.
Geplant haben wir unseren Ausflug schon auf unserer Vorfahrt im März. Die Herbergseltern, die Busfirma und alle Teilnehmer wußten Bescheid.
Merkwürdig wurde es, als wir die Grenze zu Frankreich überquert hatten: In der Ortschaften war es sehr ruhig, es herrschte kaum Betrieb auf den Straßen und die Geschäfte hatten fast alle geschlossen. Der Grund hierfür: es war Nationalfeiertag in Frankreich. Am 17. Juli 1789 stürmten die Massen von Paris die Bastille und leiteten damit die französische Revolution ein. Deshalb war in Frankreich nichts los, und wir rannten im Regen durch Straßburg und die einzige Möglichkeit, uns aufzuwärmen, waren Andenkenläden und McDonalds.
Unseren nächsten Tagesausflug verbrachten wir im Holiday-Park. Das Wetter war ziemlich warm und fast trocken. Hier wurde man nur in der Wildwasserbahn oder in Teufelsfässern naß. Aber das machte Spaß. Nach Achterbahn, Piratenschiff und ähnlichen gefährlichen Fahrgeräten kamen wir alle, mit einem etwas flauem Gefühl im Magen wieder in Dahn an.
Unser Etappenspiel, welches uns am Abschlußabend zu einem Großen Troll- und Heinzelmännchenhaufen zusam-menkommen ließ, hat den meisten doch noch Spaß gemacht. Es wurde das schönste Heinzelmännchen-/Heinzelfrauchen-Paar gewählt, es gab lustige Heinzelmännchengeschichten, einen Heinzeltanz und zur Krönung einen Bauchtanz von unserer Trollin Bärbel. Die Trolle waren zwar auch hierbei die besten, aber das wollen wir nicht besonders betonen.
Bei dem Erfinden der Heinzelmännchengeschichten und -lieder rauchten bei einigen die Köpfe. Dagegen klappte der Bau der Heinzelmaskottchen ziemlich gut.
Das dann aber alle, beim Bau der Waldhütten, zur Höchstform aufliefen, hat mich doch ein wenig über­rascht. Die anschließende Schlacht mit feuchtem Waldboden ließ jeden, selbst den gemeinsten Heinzelzwerg, nach ein bißchen Troll aus­sehen. Diejenigen, die den Waldboden ins Gesicht bekamen, hatten leider etwas Pech.
Unser Abschlußabend endete damit, daß alle wieder kein Ende finden konnten. Nachdem wir um 22.00 Uhr die Disco beenden mußten, machten alle auch danach noch kräftig Krach und Theater.
Neben der ersten Nacht ist der Abschlußabend der Abend, der einem Leiter die meisten Bauchschmerzen bereitet. Keiner will mehr schlafen und alle machen, was sie wollen. Niemand nimmt Rücksicht auf andere Leute, die in der Jugendherberge übernachten.
Man könnte neben vielen tollen Erfahrungen und Erlebnissen auch noch von negativen erzählen, doch die vergißt man schnell. Und das ist auch gut so.
Ich bedanke mich hier noch mal bei den Betreuern Rita Borgmeier, Christiane Jost, Nicole Maass, Sandra Mader, Peter Hein, Stefan Borgmeier, Markus Welling, Jörg Heising, Michael Borgmeier und Mark Urlaub, bei unseren Hilfsbetreuern Andreas Jost und Stefan Klaus. Sie alle haben einen nicht geringen Teil ihrer Freizeit dieser Fahrt zu Verfügung gestellt.
Alle haben Ideen und Vorschläge eingebracht. Das dann leider einiges nicht so war wie geplant, lag am Wetter. Alle haben sich gut erholt und hatten Spaß miteinander.
Weiter bedanken möchte ich mich auch bei unserem Pfarrer, der uns mit seiner Unterschrift sein Vertrauen schenkt, und bei unserer Pfarrsekretärin die neben ihrer Arbeit immer noch die Sache mit den Anmeldungen und den Zuschüssen regelt.
Bedanken möchte ich mich natürlich auch bei unseren Verbänden KAB, KFD und Kolping, die uns unterstützt haben und bei allen anderen, die uns in irgendeiner Art und Weise geholfen haben.
Herzlich bedanken möchte ich mich noch denen, die sich bei den Betreuern kritisch (oh, positiv oder negativ) zum Ablauf der Fahrt geäußert haben. Wir wissen nie, was die Kinder zu Hause erzählen, wie sie bestimmte Situationen erleben und schildern. Hieraus kann man Erfahrungen für spätere Freizeiten ziehen.
Für den Sommer 1994 ist nun zwar keine Fahrt geplant. aber dafür für den Herbst. Wir wollen in der Woche der Herbstferien irgendeine Gegend unsicher machen, mit ganz neuen Ideen und Programmpunkten.
Hoffentlich erleben wir hier Unterstützung und Mithilfe von Eltern und Verantwortlichen aus unserer Gemeinde. Wir sind dankbar für jeden, der uns unterstützt.
Ich jedenfalls hatte viel Spaß bei der Fahrt
 
 
Dirk Filzen, Leiter der Freizeit und der kath. Jugend St. Antonius
 
 
 
Zum Abschluß noch der letzte Stand der Planungen für den Herbst 1994:
Die Fahrt soll vom 1. bis 8. Oktober 1994, stattfinden. Das genaue Ziel wird zur Zeit ausgewählt. Informationen und Anmeldungsformulare sind ab März erhältlich.
 
 
 

 

aktualisiert am 01. Juli 2017

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