Bericht über unsere 1. Ferienfreizeit in den Sommerferien vom
22.6.-3.7.1989 in Schmidt/ Eifel am Rursee –
Ruri '89
 
Es bedurfte vieler Gespräche und häufiger Telefonate, bis wir eine Unterkunft hatten, die unserer Meinung nach gut genug sei, um dort 12 Tage lang Urlaub zu machen. Doch endlich, kurz vor Weihnachten 1988, hatten wir ein Haus in der Eifel am Rursee gefunden, genauer gesagt, in Schmidt mit dt. Aber es bedurfte noch vieler Bemühungen, bis wir auch alle Plätze belegt hatten. Niemand hatte anfangs so richtig Lust mitzufahren. Außerdem traute man uns auch gar nicht zu, alleine eine Ferienfahrt auf die Beine zu stellen. Aber wir haben das Gegenteil bewiesen! Mit vielen Schwierigkeiten hatten wir zu kämpfen. z.B. auf der Vorfahrt nach Schmidt, wo wir Betreuer uns Haus und Umgebung anschauen wollten. Nachdem wir die Jugendstätte Rursee endlich gefunden hatten -wir sind vorher schon dreimal daran vorbeigefahren- wußte dort niemand etwas von unserer Ankunft, obwohl wir angemeldet waren. Es war dort niemand anzutreffen, bis auf den Leiter des Hauses und seiner Frau, die dort wohnten. So hatten wir zwar die Gelegenheit, uns das Haus anzusehen, aber übernachten mußten wir in einer Pension und essen auch. Das riß Löcher in unsere Geldbeutel, denn darauf waren wir nicht eingestellt. Im Gasthof "Zur Linde" war es sehr gemütlich und für die kleineren Geldbeutel gab es sogar "Räuber Hotzenplotz"-Teller. Dort konnten wir auch ein grobes Programm zusammenstellen, das aus 6 Programmpunkten für jeden Tag bestand. Nämlich 3 für gutes und 3 für schlechtes Wetter für morgens, nachmittags und abends. Das Grundprinzip bei so einer Planung ist, daß man bei einer 12-tägigen Fahrt von 12 Regentagen ausgehen muß! Es kann ja nur noch besser werden.
Zuhause ging es dann an die Ausarbeitung unseres Programms. Es mußten Quize ausgedacht und Schatzkarten gemalt werden, Bastelideen gefunden und das notwendige Material besorgt werden, Ausflüge organisiert und Stationsspiele ausgearbeitet werden. Kurzum, es gab eine Menge zu tun.
Wir gingen auch noch einkaufen: Preise für Wettbewerbe, Medikamente, Bastelmaterial und die Heimwehbonbons nicht zu vergessen, standen auf der Einkaufsliste.­
Der Start unserer Fahrt rückte nun immer näher. Vorab gab es noch einen Elternabend und dann ging es endlich ans packen. Wir packten und packten: Spielmaterial für drinnen und draußen, Mal- und Bastelzeug, Bälle, Tischtennisnetze, 2 Erste-Hilfe-Taschen, Schläger, Fahnenstangen, die Punica-Oase, Bonbons, Kaffee für die Betreuer (lebensnotwendig!), und, und, und. Am Ende dieses Packvorganges war der Schrank unseres Jugendraumes leer, dafür standen aber 10 Kartons vollgepackt und gut zusammengebunden davor.
Donnerstag ging es dann los. Um 8.40 Uhr gab es den Reisesegen, dann wurde der Bus mit den Koffern und den Kartons zugepackt. Das Wetter paßte natürlich genau in unser Programm: es regnete! Es regnete auch noch, als wir endlich gegen 11 Uhr in Schmidt ankamen und wir wieder alles aus den Bus packen mußten. Da wir gut und gerne 500 Meter bis zum Haus laufen mußten waren wir wenigstens alle gleich naß.
Dieses Mal war man auf unsere Ankunft vorbereitet und wir konnten pünktlich um 12 Uhr zu Mittag essen. Dieser alltäglich, dreimal wiederkehrende Gang entwickelte sich zur Qual. Man mußte nämlich 88 Stufen hinuntergehen, um ein mehr oder weniger nicht so gutes Essen zu sich zu nehmen, um anschließend wieder die 88 Stufen hinaufzugehen. Aber wir waren gerade erst angekommen und uns war noch nicht bekannt, was uns noch alles widerfahren sollte.
Nach dem Essen kam dann das, was man Koffer auspacken und Betten machen nennt. Man muß sich die Szene bildlich vorstellen: in einem 8-Bett Zimmer, in dem es Platz für 4 Etagenbetten und 4 Hocker gibt, sind 8 Kinder sowie 1 bis 2 Betreuer dabei, die Koffer auszupacken. Die Zimmer glichen einem Ameisenhaufen. Koffer und Bettdecken lagen auf dem Boden und jeder stand jedem im Weg. Aber nach gut 2 Stunden war alles im Schrank verstaut und alle Bettdecken lagen frisch überzogen auf den Betten.
Danach machten wir uns sofort auf den Weg nach Schmidt. Natürlich nicht an der Straße entlang, sondern über Feldwege. Der einzige Nachteil an Feldwegen ist, sie führen nie direkt in den Ort. Es dauerte gute 45 Minuten bis wir in Schmidt ankamen. Und welch große Überraschung erwartete uns hier? Es gab hier einen Rewe-Markt, der sogar noch geöffnet hatte. Also; alles rein in den Supermarkt - und der Besitzer konnte getrost für eine Woche Urlaub machen.
Am Freitag ging es dann schon im Trockenen in den Wald. Wir sammelten unterwegs einige Steine, um damit Steinmännchen zu basteln. Nachmittags spielten wir Minigolf, Federball, Tischtennis oder sprangen Seilchen. Nach dem Abendessen versammelten wir uns zum Abendgebet in der hauseigenen Kapelle. Das Abendgebet war immer ein guter Ausklang für jeden Tag. Anschließend wurde dann wie wild bei dem so einfachen Quiz gerätselt. Da wurde New York zur Hauptstadt der USA und bei dem Bilderquiz wurde Rita mit Schröder verwechselt. (Wir wußten bis dahin noch nicht, daß Jungen Röcke tragen!) Aber was soll's, es waren ja Ferien.
Am Samstag bekamen wir noch Unterstützung von Herrn Klaus Thissen, der aktiv über eine Woche am Lagerleben teilnahm - ohne ernsthafte Schäden davonzutragen. Samstag nachmittag haben wir dann Schnitzel gejagt und dabei bekamen wir endlich den Rursee zu sehen. Am Erzenreich, wo wir im späteren Verlauf unserer Fahrt sogar einen Schatz entdeckt haben (leider nur Schokoladentaler) tauchte zum ersten Mal unsere Punica-Oase auf. Doch auf dem Weg dorthin sahen wir merkwürdige Spuren, welche nur von einem Seeungeheuer stammen konnten. Wir nannten es Ruri!!! - und es wurde wie wild spekuliert, wo, wie und wann man Ruri mal sehen konnte. Hätte man das alles aufgenommen!!! Ruri und Klaus "tauchten" wie zufällig am gleichen Tag auf.
Sonntag morgens ging es zur Kirche St. Hubertus und nachmittags mußten wir schon wieder laufen, nämlich nach Hasenfeld in den Märchenwald. Das Beste waren die Rodelbahn und der fliegende Lügenbaron Münchhausen.
Montags wurden T-Shirts bemalt. Thema: Ruri 1989. Nachmittags, es war mittlerweile heiß geworden, ging es ins Strandbad nach Eschauel. Der Strand war etwas steinig, aber das Wasser super. Beim abendlichen Völker- und Brennballspielen wurden die letzten Kräfte des Tages ver­braucht.
Unsere 3 älteren Mädchen wollten diese Zeit nutzen, um nach Heimbach, ca. 7 km entfernt, zu laufen. Mit einer genauen Beschreibung und unserem vollsten Vertrauen zogen sie dann los. Sie waren überall, nur nicht in Heimbach! Nach dem Abendessen mußten wir sie abholen, da die Blasen an den Füßen zu weh taten. Danach sind sie nie wieder alleine losgezogen.
Am Dienstag stand unser Tagesausflug auf dem Programm. Wir mußten wieder bis Eschauel laufen, um dort auf ein Schiff zu warten, das uns dann nach Rurberg brachte. Der Abenteuerspielplatz war wirklich ein Abenteuer. Da wir mit unserem Lunchpaket wenig Glück hatten, gingen wir anschließend noch Eis essen. Dieses Eis hatte uns Herr Pastor Gaberle ausgegeben. Abends wurden Bommel gebunden. Das war der Renner schlechthin. Soweit man schaute, nur noch Bommel. Ob klein, groß, bunt oder einfarbig überall schmückten Bommel die Zimmer.
Am Mittwoch ging es in den Wildpark, wo wir viele Tiere sehen konnten und den Unterschied zwischen Ziegen und Ziegenböcken erklären mußten, da fälschlicherweise eine Ziege "Detlef" genannt wurde. Anschließend wollten wir eigentlich noch nach Schmidt hinein. Der Rewe-Markt sollte noch einmal gestürmt werden, doch leider haben wir ganz vergessen, daß auch in Schmidt die Läden Mittwoch nachmittags geschlossen haben. Abends wurden wir Betreuer dann gemein, und ließen die Kinder, für jeweils nur eine Frage, über das halbe Gelände der Jugendstätte laufen. Wir hatten uns 160 Fragen ausgedacht! Dafür war an diesem Abend in allen Zimmern früh Ruhe.
Donnerstag nachmittags hatten wir unser Stationsspiel und abends saßen wir in gemütlicher Runde und sangen aus der Mundorgel, von Gitarre und Flöten begleitet. "Armer schwarzer Kater" und "Rippel?Tippel" wurden so lange gespielt, daß man sich danach noch sehr gründlich waschen mußte, sonst hätten wir bunte Bettwäsche gehabt.
Der Freitag war der schwarze Tag unserer Fahrt. Haben wir doch das Fußballspiel gegen die Gruppe aus Heiligenhaus haushoch verloren. Doch am späten Abend, nach dem Lagerfeuer, wo wir Kartoffeln grillten, war die Niederlage schon wieder vergessen. Anschließend mußten wir noch durch den dunklen Wald, wo wir uns vor Wildschweinen, Glühwürmchen und Ruri stark in acht nehmen mußten. Nichtsdestotrotz hing auch noch die Wäsche der Betreuerinnen - von der einen schon stark vermißt, von der anderen nicht - mitten im Wald auf einer Wäscheleine. Wie die da wohl hingekommen ist?!?
Samstag konnten wir endlich auf den Verkehrsübungsplatz. Das Aufstellen der Verkehrsschilder war überflüssig, da jeder fuhr wie er wollte. Abends hoben wir dann endlich den so lang gesuchten Schatz gefunden. Das es regnete, störte niemanden.
Sonntag morgens ging es dann wieder zur Kirche. Und nach dem Mittagessen kam dann der Akt, vor dem uns allen graute. Wir mußten nun alles, was wir 12 Tage zuvor aus den Koffern genommen hatten, wieder einpacken. Wir hätten nie gedacht, daß man alle Sachen wiederfinden würde. Komischer weise klappte es prima und wir waren nach 2 Stunden fertig. Tolle Leistung! Das einzige was übriggeblieben ist, war eine Unterhose, die dann, da niemand seinen Besitz zurück forderte, in dem Mülleimer landete. Verlust ist immer!
Abends - der große Abschlußabend mit Preis-verleihung. Hier wurden die Sieger der einzelnen Spiele belohnt und die Preise für die Zimmerbewertung verteilt. Unsere Mädchen und Jungen waren gleich ordentlich oder, besser gesagt, gleich unordentlich??
Eine Ausnahme machten nur die älteren Mädchen. Die waren mit Abstand am unordentlichsten. An diesem Abend hatte auch unser Ruri-Song Prämiere, den wir (die Betreuer) in einigen Nachtschichten zusammengereimt hatten.
Am Montag morgen mußten wir uns von Schmidt verabschieden. Diesen Tag haben wir feierlich mit der Besichtigung und der Besteigung des Kölner Domes beendet. Die Schmerzen in den Beinen verschwanden sofort, als wir bei McDonald's schlemmen waren, um noch die letzten Pfennige auszugeben. Auf dem Rückweg zum Bus gab es dann noch ein Eis und dann fuhren wir auch schon wieder Richtung Freisenbruch. Um 14 Uhr kamen wir dann alle müde, aber frohgelaunt, an unserer St. Antoniuskirche an.
Jetzt im Nachhinein muß ich sagen, war diese Fahrt wirklich gelungen. Wir haben während dieser Zeit eine tolle Gemeinschaft gebildet, die noch immer anhält und konnten viele neue Erfahrungen und Erkenntnisse mit nach Hause nehmen.
Es gab Augenblicke, vor allem in der Vorbereitungsphase, wo ich die Befürchtung hatte, daß die Fahrt doch nicht mehr stattfinden würde. Aber was waren wir alle glücklich und auch ein bißchen stolz, daß es uns gelungen ist, diese Fahrt, fast ohne fremde Hilfe, auf die Beine zu stellen.
Ich möchte mich hiermit noch einmal bei allen bedanken, die uns unterstützt und an uns geglaubt haben: bei Herrn Pastor Gaberle, Herrn Thissen, der KAB, der Kolpingsfamilie, der KfD, allen Betreuern, allen Gästen, die uns während unserer Zeit in Schmidt besucht und tatkräftig unterstützt haben sowie bei allen Eltern, die uns ihre Kinder anvertraut haben.
Die Fahrt war ein voller Erfolg und jetzt, 4 Monate später, denken wir oft und gerne an sie zurück und erzählen von all den Geschichten, die ich leider nicht auch noch alle aufschreiben konnte. Es gäbe bestimmt noch einmal so viel zu schreiben.
Hoffen wir, daß es im nächsten Jahr in Rhode wieder so schön wird.

Essen, im November 1989

 

 

 

aktualisiert am 01. Juli 2017

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